Hof. Zum sechsten Mal fanden in den Herbstferien die Hofer Cellotage statt – und waren ein überwältigender Erfolg. Einmal wieder gelang es den Hofer Symphonikern gemiensam mit dem Tonkünstlerverband Hochfranken e.V., den Vier EvangCellisten und dem regionalen extra-radio unter der Gesamtleitung von Markus Jung, ein große Zahl von Menschen und besonders auch den Nachwuchsmusiker*innen für die Musik zu begeistern.

43 Teilnehmer*innen waren angemeldet, vornehmlich aus der Region, aber es kamen auch Musiker*innen aus den benachbarten Coburg, Kulmbach und Bayreuth, aus Fürstenfeldbruck und sogar aus Finsterwalde in der Altmark. Eine Woche lang widmeten sie sich dem Cellospiel in seinen verschiedenen Facetten. Beeindruckende Konzerte mit Solist*innen und Ensembles und am Ende auch mit den Teilnehmer*innen in verschiedenen Besetzungen gaben der über die Jahre zu einer respektablen Größe angewachsenen Veranstaltung die ihr eigene individuelle und beeindruckende Note. Das zahlreiche Publikum bei allen Konzerten zeigte, welch gute Akzeptanz die Hofer Cellotagemittlerweile genießen.

Ziel der Veranstaltung war es vor allem, den jungen Menschen Impulse und Anregungen zugeben. So gab es einen Meisterkurs bei Ariel Barnes, dem Solocellisten der Nürnberger Symphoniker und weltweiten Cellostar, Cello- und Kammermusikkurse mit den Mitgliederndern der international auftretenden Vier EvangCellisten und einen Cello-Orchester-Workshop mit dem am Hofer Theater tätigen Dirigenten Michael Falk. Desweiteren konnten sich zukünftige Cellist*innen in einem Schnupperkurs über das Instrument und seine Möglichkeiten informieren.

Darüber hinaus konnten Teilnehmer/-innen und Publikum in mehreren Konzerten die hohe Kunst des Violoncellospiels genießen. Beeindruckend war das Eröffnungskonzert mit Ariel Barnes (Cello) und Emi Munakata (Klavier), einem in der Besetzung international führenden Duo. Barnes verstand es, mit kurzen Kommentaren in die Werke einzuführen und gerade auch die zeitgenössischen Stücke zu einem wahren Genuss werden zu lassen. Ein zweites Konzert gestaltete das Duo TwoSingForYou mit Jonas Lang (Gitarre und Vocals) und Nico Nesyba (Cello, Percussion und Vocals). Der Funke sprang sofort über, als die beiden Brüder Hits und bekannte Songs von Eric Clapton oder auch von Simon and Garfunkel in entsprechenden Arrangements sehr zur Freude des Publikums darboten.

Ein besonderes Highlight war das große Abschlusskonzert der Vier EvangCellisten. Festivalorganisator Markus Jung musizierte hier mit seinen Kollegen Lukas Dihle, Hanno Riehmann und Mathias Beyer ein abwechslungsreiches Konzertprogramm, das die große Bandbreite der Musik für diese Besetzung und auch die Musizierfreude des Quartetts ins Erleben brachte. Dabei genossen die vier Musiker ganz offensichtlich selbst berühmte klassische Werke wie „Ave Verum Corpus“ von Wolfgang Amadeus Mozart, Melodien von Georg Friedrich Händel, Georges Bizet oder Gaetano Donizetti genauso wie zeitgenössische Werke, Tangos oder auch Kompositionen von Markus Jung selbst. Highlights waren dabei ohne Frage die zu acht dargebotenen Stücke mit den vier eingeladenen Proficellist*innen. Neben Ariel Barnes waren dies die bereits bei früheren Cellotagen mitwirkenden Gäste Yerin Lee, Nassib Ahmadieh und Sebastian Chong. Die absolute Stille in der weit mehr als vollbesetzten KlangManufaktur wäre schon ohne die zahlreichen jungen Zuhörer*innen ein beeindruckendes Exempel gewesen.

Ebenfalls höchst beeindruckend und vom Publikum bestens besucht war das vorangegangene Konzert der Teilnehmer*innen, für das die Räumlichkeiten in der KlangManufaktur eigentlich gar nicht mehr ausreichten. Teile des Publikums fanden im Saal keinen Platz und mussten das Konzert vom Foyer aus verfolgten, als ein 47-köpfiges Cello-Orchester unter der Leitung von Michael Falk vier Stücke des vorangegangenen Workshops präsentierte. Die Gruppe Bows’n’Beats mit Schlagzeug- und Celloschüler*innen der Musikschule der HoferSymphoniker sowie ausgewählte Darbietungen der Einzel- und Kammermusikkurse gestalteten einen aufschlussreichen Abend nach der langen Festivalwoche. Das Publikum genoss sichtlich die Begeisterung und das Können der eingeladenen Gäste sowie der jungen Musikerinnen und Musiker. Ein gelungenes Plädoyer für das Violoncello und das gemeinschaftliche Musizieren.

— Xaver Riechholtz